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Milla Tuormaa-Pärälä: Der Bronzering

 

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© Reinhard Aill Farkas 2009

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Kapitel II aus dem Roman SAANA
von Milla Tuormaa-Perälää (Helsinki)
übersetzt von Reinhard Farkas

 

Es war kalt, und die schwarzen Geister schrien. Stockdunkel, auch der Mond hatte Angst. Saana lief, scharfe Äste rissen ihren Umgang in Fetzen. Sie hörte einen Specht klopfen, gellend laut. Emo lief irgendwo weit vor ihr, und Saana konnte sie nicht erreichen. Plötzlich jagte ein Blitz durch die Nacht und schlug in eine große Tanne, die in zwei Hälften barst und sofort Feuer fing. Saana fiel zu Boden. In der trockenen Heidelandschaft griff das Feuer rasch um sich. Emo verschwand im Rauch ... Saana stand auf und wollte zu Emo rennen, aber eine helle heiße Feuerwand stand vor ihr.

Feuer brannte über den Augen des Mädchens. Saana wachte mit einem Schrei auf, ganz nah bei Emo. Emo hatte sich vom Schlitten herab leicht über sie gebeugt und streichelte Ihre Stirne. Die Hand war glühend heiß. Saana kroch näher zum Schlitten. Die dunklen Augen Emos leuchteten sehr schwach, viel weniger als gewöhnlich.

Emo drückte schwach Saanas Hand und flüsterte: "Hab keine Angst, mein Kind. Du wirst mich nur mehr im Traum sehen, wie jetzt, aber sei mutig. Nimm das, Kind."

Emos Stimme kratzte, und ihr Atem strömte heiß. Mit zitternden Händen nahm sie einen Bronzering von ihrem Hals und legte ihn in Saanas Hand. "Es ist deiner!"

"Emo, mir hat geträumt, und ich hab mich gefürchtet, und du bist im Feuer verschwunden", stammelte Sana, und stieß den Ring zu Emo zurück.

"Emo braucht das nicht mehr in den Ländern des Kalma", sagte sie, und legte den Ring wieder auf Saanas Hand.

"Was für Länder? Emo, komm mit uns zum Winterplatz!"

"Hab keine Angst, mein Kind. Ich bin immer bei dir, wenn du diesen Ring berührst."

"Emo, du darfst nicht krank sein! Du musst zum Winterplatz mitkommen", schrie Saana, aber Emo strich mit ihrer heißen Hand über die kleinen Hände des Mädchens und lächelte nur.

"Emo, kommst du jetzt mit zum Winterplatz?", fragte Saana vorsichtig.

"Emo geht jetzt ins Kalma. Du musst dich nicht fürchten, Emo hat es gut dort."

"Wo ist das Kalma? Kann ich mitgehen?" fragte Saana. Das Licht in Saanas Augen wurde schwächer, und sie sagte nichts. Saana schaute auf den Bronzering in ihrer Hand, und ein kalter Geist wehte durch ihren Körper.

Das Mädchen sprang auf und schüttelte Ukko wach. Ukko stand auf und ging zu Emo, er presste seine Hand auf ihre bleiche Stirn und schaute in ihre Augen. - "Leg deinen Kopf schön auf das Fell, Emo schläft wieder. Sie träumt tief. Morgen sagt dir Ukko Bescheid", flüsterte der Schamane und strich über ihr Haar.

Zwischen den Rentierfellen war nun schwaches Licht zu sehen, und der Morgengeruch war kalt und scharf. Die Nase tat weh davon. Emo wachte nicht auf. Saana stieß sie noch mal an. Emos Hände waren steif, und man konnte sie nicht abbiegen. Alle Wärme war von ihrem Gesicht verschwunden.

Ukko legte seine Hand auf die Schulter des Mädchens und flüsterte: "Kalma ist gekommen, Liebes. Sie wacht nicht mehr auf." Entsetzt schaute Saana zu Ukko, und sie fing an zu heulen. Vater kam zu Emo, berührte ihre Hand, und es schüttelte ihn vor Weinen. Saana verbarg ihren Kopf in Ukkos weitem Mantel und machte die Fellhaare nass. Die schmale Hand mit weißen Knöcheln presste den Bronzering.

Ukko trug Saana aus der Hütte und strich über ihre Haare, der Winterwind spielte mit ihnen. Andere wachten nun auch auf und torkelten schlaftrunken aus der großen Kota. Als letzter kam Vater, er schloss die Felle hinter sich, und Emo blieb allein im dunklen Zelt.

 

Alle folgten Ukko in den Wald hinein. Saana schaute von Ukkos Arm zurück, als die Kota langsam verschwand. Nach einiger Zeit kam die Sippe zu einem großen Felsen. Saana sprang nicht darauf, Emo hatte es ihr verboten, auf der letzten Winterwanderung. Ukko sang immer auf diesem hohen Stein, und niemand durfte ihm nahe kommen. Auf dem Stein waren heilige Schalen, wusste sie. Ukko ließ Saana zu Boden gleiten und ging zum Stein. Ainikki nahm das Mädchen auf ihre Schulter und verbot ihr, dem Onkel zu folgen.

Alle saßen auf ihren Knien am Boden, und Jouki reichte Ukko das Rentiergeweih. Ukko legte es auf den Stein und begann, seltsam zu singen. Graue, kalte Luft wehte durch die frostbedeckten Kiefern, deren Äste knackten und schrien.

Sanna schaute zurück zum Camp. Ein leichter Rauch erhob sich aus der Kota. Wie ein grauer Kuukkeli flog er auf und verschwand im gesichtslosen Nebel. Ainikki wollte sie in die Arme nehmen, aber Saana duckte sich unter ihren Händen weg und zog ihren Umhang um sich. Ihr Hals tat weh und wurde eng.

Ukku begann laut zu singen, und die anderen traten im Kreis zurück. Saana schaute Ukko entsetzt an und drängte zu ihm. Ainikki presste ihre Hand um die Schulter des Mädchens und schob sie zur Setie. Saana wehrte sich in diesem Griff und rannte unter eine hohe Tanne. Dort warf sie sich auf den Boden, rollte sich zusammen und presste die Wange an den Stamm. Der harzige Geruch beruhigte sie. Ukko wurde zu einem Adler und schwang sich auf. Jouku und Vater standen auf, währen die anderen ihre Köpf auf die Erde pressten. Die beiden gingen, um Emo zu holen.

Von ihrer Tanne her beobachtete Saana, wie kräftige Männer eine Grube aushoben und Feuerholz neben den Stein legten. Ukko stand wieder auf dem Stein und ging zu Emo. Man legte sie auf einem Schlitten auf den Scheiterhaufen, und Ukko strich mit Asche über ihre weißes Gesicht. Er berührte Emos Schultern und Stirn mit seinem Stock, auf dem ein Elchkopf eingeschnitzt war. Die ganze Sippe begann, laut zu singen, und einige steckten die Äste mit ihren Fackeln an.

Nach kurzem Zögern prasselte das Feuer los, und es roch nach Rauch und dann nach verbranntem Fell. "Es tut Emo weh", schrie Saana und rannte von ihrer Tanne zum Feuer, aber Ukko fing sie auf und legte die Arme fest um sie. Rauch bedeckte Emo. Das Mädchen hörte den Totengesang durch Ukkos Umhang, und die Hitze der Flammen brannte auf ihrem Rücken.

Das Feuer brannte den ganzen Tag. Abends wurden die Knochen in die Erde gelegt. Vater legte ein Messer und Holz von einer Spindel dazu. Saana hatte ihren Spinnrocken schon im Sommer bekommen, den Maamo eines Tages geschnitzt hatte. Vater zog sich ein Messer über die Handfläche und ließ Blut in einen kleinen Topf fließen, den er dann ins Grab legte. Saana saß derweil auf Ukkos Arm und sah scheu zu. Männer schaufelten Erde ins Grab, und Emo verschwand. Vater gab Saana einen Stein, den sie auf die Erde legte, und die anderen legten ihre Steine dazu.

Steine um Steine legte die Sippe, bis ein kleiner Hügel entstand. Dann setzten sich alle um das Grab und schwiegen. Alles war ganz still. Ukko wiegte Saana in seinen kräftigen Armen, und Klein-Veikka schlief auf Ainikkis Schoß. Er konnte noch keine Angst haben.

Der Stamm setzte seine Winter-Wanderung fort. Saana ging langsam und wollte umdrehen, aber Ukko verbot es ihr. Die Geister von Kalma konnten sie auch mitnehmen.

Hinter Tannen und Föhren verschwanden der Felsen und das Grab. Leichter Schee fiel, und der Himmel wurde dunkelblau. Saana berührte den Bronzering, er fühlte sich angenehm warm an. Sie streckte ihre Hand hinauf in die Luft und fühlte eine bekannte Berührung, Emos rauhe Hand.

Saana is a bronze-age-girl who experiences the transition of her mother (Emo) to the Otherland (Kalma). Emo stays in contact with Saana through the forces of a miraculous ring and guides her to the role of a Shaman, a true leader of her clan.