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Johannes Ude

 

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© Reinhard Aill Farkas 2009

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Überblick

Johannes Ude (1874-1965) - vielseitiger Wissenschaftler und Lebensreformer, Politiker und Publizist, ist vielleicht die schrillste Erscheinung innerhalb der Katholischen Kirche Österreichs. Ude, vierfacher "Doktor" und Theologieprofessor, erhielt 1930 Predigtverbot und wurde durch den Austrofaschismus um seinen Lehrstuhl gebracht. Seine Kritik am unmenschlichen NS-Regime brachte ihm Kerkerhaft ein, vor dem sicheren Tod retteten ihn nur die Alliierten. Nach dem Krieg durfte er nie mehr an die Karl-Franzens-Universität zurückkehren. Ein umfänglicher Briefwechsel, über 4.000 Reden im In- und Ausland, über 150 Bücher und Broschüren bezeugen den Umfang von Udes Engagement. Ich befasse mich mit unterschiedlichen Aspekten und Leistungen:

  • Ethisches Christentum und Konflikt mit der Katholischen Kirche
  • Beitrag zum Pazifismus und Antimilitarismus
  • Einsatz für den Schutz des Lebens
  • Beitrag zur Vegetarierbewegung
  • Rolle in der Sittlichkeitsbewegung und sein Kampf gegen den Frauenhandel
  • Beitrag zu Antikapitalismus, Geldkritik und Freiwirtschaft

Ude und der Pazismus

Udes pazifistische Positionen stehen im Zusammenhang eines radikal christozentrischen Leitbilds. Sie wurden schließlich in seinem öffentlichen Wirken vorrangig.

Ude wendet sich gegen jegliches Töten - über die Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden hinaus - und lehnt daher Todesstrafe, Euthanasie und Abtreibung ebenso ab wie das Schlachten oder die medizinischen Tierversuche. Seine Haltung wurzelt in den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, als er neben seinem umfangreichen sozialkaritativen Engagement - etwa im Rahmen des Vinzenzvereins - die Betreuung von Verwundetentransporten übernahm.

1917 begann der damalige Grazer Universitsätsprofessor für Dogmatik und Philosophie, in der Mariahilferkirche für den Frieden zu predigen. 1918 forderte Johannes Ude in seiner Schrift Kanonen oder Christentum? einen Verständigungsfrieden, und rechnete in seiner Broschüre Volk in Not! mit Nationalismus, Chauvinismus und Militarismus ab.

Der Priester bezog sich dabei auf eine ,christliche Revolution', die auf Agape beruhende Liebesethik des Neuen Testaments sowie auf die eschatologische Dimension des Paulinischen und frühen Christentums. Dieses Friedensleitbild steht in Verbindung mit der Forderung nach einem einfachen und naturgemäßen Leben und auf sozialen Ausgleich bezogenen Wirtschaftskonzepten.


Ude 1932 auf einem
internationalen Vegetarierkongress


Gegen Diktatur, Militarismus und Krieg

Udes Positionen gewannen in einer Periode sich radikalisierender Bestrebungen in Europa an Bedeutung. Die diktatorischen und "autoritären" Bestrebungen" schienen ihm - wie er in seiner unveröffentlichten Autobiographie notiert - "nicht das Zeichen des Aufstieges einer neuen, besseren Zeit, sondern sie bedeuten das Ende der bisherigen bankrotten Politik."

Kennzeichnend ist die Kritik an terroristischen Zügen des "Ständestaats", der zivilen Aufrüstung und der Hinrichtung von politischen Gegnern, aber auch die Auseinandersetzung mit internationalen Kriegen: So protestierte Ude in einem "Offenen Brief" an Mussolini gegen den bevorstehenden Einfall in Abessinien (Äthopien) und ließ den Text am 23. August 1935 vom Schweizer Wiler Boten und in Flugblättern verbreiten - woraufhin er an der Universität "beurlaubt" wurde.

Einen Tag nach der Reichskristallnacht vom 9./10. November 1938 protestierte Ude in einem an den Gauleiter Sigfried Uiberreither gerichteten und in einer französischen Exilzeitschrift publizierten Offenen Brief gegen die antisemitischen Pogrome. Als Seelsorger in der zur Dekanatspfarre Bad Aussee gehörigen Filiale Grundlsee, wohin Ude verbannt worden war, wandte er sich u.a. gegen das Erziehungssystem des NS-Staates und wurde deswegen bereits am 3. September 1939 zum ersten Mal verhaftet. Sein illegal verbreitetes Memorandum Über den Weg zum allgemeinen Frieden führte am 1. August 1944 zur erneuten Inhaftierung und Folter in Linz und Wels sowie zur Anklage wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung und hätte ihn aufs Schafott geführt, wenn ihm die Befreiung im April 1945 nicht die Freiheit geschenkt hätte.


Ostermarsch der Friedensbewegung 1960


Mit der Friedensbewegung der Zweiten Republik

Von seinem Lehrstuhl weiterhin verbannt, vertreibt der Theologe seine pazifistischen Broschüren im Eigenverlag oder im Salzburger Friedensverlag seines langjährigen Vertrauten Ferdinand Wessiak. International arbeitet er im Rahmen der Internationale der Kriegsdienstgegner und der Union deutscher Friedensverbände (UDF), zu deren Präsident er 1960 ernannt wird.

Die Konstituierung einer Österreichischen Friedenspartei scheitert, ein seit 1947 lancierter Versuch, Ude für den Friedensnobelpreis zu nominieren, bleibt erfolglos, und eine Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl 1951 bringt nur wenige Stimmen.

In der letzten Friedensschrift Mörder unter uns! (1963), die sich gegen die Wiederbewaffnung Österreichs wendet, verbindet Ude die Ablehnung der Rüstungstechnologie mit einer radikalen Kritik an der "Atomwissenschaft".


Frieden als Umsetzung des Evangeliums

In seinen späten Schriften geht Ude von folgender Friedensdefinition aus: "Friede ist jeder ganzheitliche (totale und unteilbare) Zustand, der dadurch zustande kommt, daß jeder einzelne Mensch sein gesamtes privates Leben und sein gesamtes soziales Leben, also sein Eheleben, sein Familienleben, sein Leben im Volk, sein Leben im Staat, also sein politisches, wirtschaftliches und internationales Leben im Sinne der Forderungen der zehn Gebote Gottes und der Weisungen und Gebote des Evangeliums Christi einrichtet und regelt."

Um dieses Leitbild zu verwirklichen, fordert der Priester eine grundlegende Umorientierung nach dem Motto "Dienet einander durch Liebe" - dafür verwendet er das Fahnenwort Metanoéite (= griech. für "denket um").

Der evangelische Theologe und Missionsarzt Albert Schweitzer (1857-1965) schrieb Ude, "dass ich es so viel leichter gehabt habe, für das Humanitätsideal und für den Frieden einzutreten als Sie. So manches habe ich aus der Ferne im Gedanken mit Ihnen erlebt und mir dabei gedacht, daß Ihr Kämpfen eine besondere Bedeutung für das Aufkommen der Humanität und des Friedens haben muß."

 


Einige meiner Aufsätze:

  • Johannes Ude als christlicher Vorläufer der Friedensbewegung. In: Wiener Blätter für Friedensforschung Nr. 91 (1997), 31-41
  • Johannes Ude und die Amtskirche: Chronologie und Analyse eines Konflikts. In: Mitteilungen des Steiermärkischen Landesarchivs 47 (1997), 253-276.
  • Aufstieg und Fall einer neoständischen Perspektive der Ersten Republik. Die Entwicklung von "Wirtschaftsverein" und "Ude-Verband". In: Blätter für Heimatkunde 71 (1997), 71-80.

Frieden mit der Tierwelt


Vegetarismus und das Liebesgebot

Udes Werk Das Tier als Teil der Schöpfung (1961) fordert einen "ewigen Frieden zwischen Mensch und Tier".

Nach seiner Ansicht entspricht der Vegetarismus "dem großen Gebot der Liebe", während er den Fleischgenuss als Ergebnis einer egoistischen Disposition, von "Genußsucht" und "Genußethik" kennzeichnet.

"O so komm herauf, du schöne, du glückliche Zeit, die dem Menschen und dem Tiere vollen Schutz gewährt! Komm wieder, verlornes Paradies! Ziehe herauf, du Zeit mit dem idealen Menschen- und Tierschutz, komm, erscheine!"


... Schlachthäuser

"Die Schlachthäuser - ich wage es, aus tiefem Mitleid mit den Tieren, zu sagen - sind in meinen Augen eine Kulturschande für die ganze Menschheit, die in ihrer Masse immer noch auf dem kannibalischen Standpunkt steht. Das Todesröcheln der vielen Millionen und Abermillionen, Tag für Tag auf dem gesamten Erdenrund geschlachteten und geschächteten Tieren, das ständig die Hallen und Höfe der Schlachthäuser erfüllt, und das dampfende Blut, das dort vergossen wird, erhebt schwerste Anklage gegen die herzlose, immer mehr nach Fleisch verlangende Menschheit. Dieses unschuldig vergossene Blut der Tiere schreit ununterbrochen zum Himmel um Hilfe."

... Vivisektion

Ude hält die Vivisektion, welche dem Tier "unnötiger- und ungerechtfertigterweise ungeheuren Schmerz" zufügt, für "sittlich verwerflich, also ethisch unerlaubt, vom Standpunkt des Christentums aus als Frevel gegen das Tier abzulehnen". Seine Broschüre Tierschutz oder Menschenschutz (1927) schildert die grausamen Methoden der Vivisektoren: "Es werden am lebenden Tier innere Organe zerstört, herausgeschnitten, zerquetscht, unterbunden. Die Luftwege werden zugeschnürt, die Nerven bloßgelegt und mechanisch oder elektrisch gereizt. Man vernäht den Versuchstieren die Augen oder schält ihnen die Augen heraus, wirbelt die Tiere auf Drehscheiben herum, läßt sie in Feueröfen lebendig verbrennen oder in Eiskübeln erfrieren, verdursten oder verhungern, bricht oder zerschmettert ihnen die Knochen".

 


Reaktion auf das kirchliche Rede- und Predigtverbot für Ude 1930.
Österreichischer Werbedienst für Volksgesundheit 5, 6 (1930), 1.